Pulverbeschichten oder Nasslackieren?

Unser Guide zu Schichtaufbau und Korrosionsschutzklassen (C1–CX)

Ein Bauteil sieht am ersten Tag immer perfekt aus – ob die Wahl richtig war, zeigt sich erst im Einsatz. Dieser Guide erklärt, wie Sie nach DIN EN ISO 12944 die technisch sicherste Entscheidung treffen. Finden Sie das optimale System aus verschiedenen Verfahren in der Oberflächentechnik.

Qualitätskontrolle einer sandgestrahlten Oberfläche die im Anschluss lackiert wurde – Sicherstellung der Korrosionsschutzklasse Qualitätskontrolle einer sandgestrahlten Oberfläche die im Anschluss lackiert wurde – Sicherstellung der Korrosionsschutzklasse

Wer Bauteile für den Außenbereich oder industrielle Anlagen plant, steht vor der entscheidenden Frage: Welches System garantiert die längste Schutzdauer? Die Antwort liefert nicht das Bauchgefühl, sondern die DIN EN ISO 12944Bei Längle Oberflächen kombinieren wir unsere Verfahren wie z.B. Sandstrahlen, Pulverbeschichten und Nasslackieren zu Systemen, die exakt auf die geforderte Korrosionsschutzklasse abgestimmt sind und wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt werden können. Hier erfahren Sie, wie Sie die richtige Wahl für Ihr Projekt treffen.

Die Entscheidungshilfe: Welches System für welche Klasse?

Korrosionsschutzklasse C1 (unbedeutend)

Korrosivität: sehr gering, wenig aggressiv, innen

Umgebung: Beheizte Innenräume (Büros, Schulen, Hotels)

Empfohlenes Verfahren: Pulverbeschichtung (einschichtig)

Typischer Schichtaufbau: Reinigung + 70 µm Pulver (oft ohne Strahlen)

Korrosionsschutzklasse C2 (gering)

Korrosivität: gering, mäßig aggressiv, außen/innen

Umgebung: Unbeheizte Gebäude (Lagerhallen), ländliche Regionen

Empfohlenes Verfahren: Pulverbeschichtung (einschichtig)

Typischer Schichtaufbau: Sandstrahlen + 80-160 µm Pulver

Korrosionsschutzklasse C3 (mäßig)

Korrosivität: mäßig, wenig aggressiv, außen/innen

Umgebung: Stadt- und Industrieatmosphäre, Produktionsräume, gemäßigtes Klima

Empfohlenes Verfahren: Pulverbeschichtung (zweischichtig)

Typischer Schichtaufbau: Sandstrahlen + Primer + 120-200 µm Pulver

Korrosionsschutzklasse C4 (stark)

Korrosivität: hoch, mäßig aggressiv, außen/innen

Umgebung: Chemieanlagen, Schwimmbäder, Küstenregionen

Emfohlenes Verfahren: Nasslack oder Duplex-System

Typischer Schichtaufbau: Strahlen + Epoxid-Grundierung + Decklack = 160-280 µm

Korrosionsschutzklasse C5 (sehr stark)

Korrosivität: sehr hoch, aggressiv, außen/innen

Umgebung: Offshore-Anlagen, extreme Luftfeuchte, aggressive Atmosphäre

Emfohlenes Verfahren: Nasslack (Mehrschicht-System)

Typischer Schichtaufbau: Strahlen + Zinkstaub-Primer + MSH + Decklack = 240–320 µm

Korrosionsschutzklasse CX (extrem)

Korrosivität: sehr hoch, maritim, außen/innen

Umgebung: Offshore-Plattformen, industrielle Bereiche mit extremer Feuchte & aggressiver Chemie

Emfohlenes Verfahren: Hochleistungs-Nasslack (Mehrschicht, oft 3-4 Lagen)

Typischer Schichtaufbau: Strahlen + Zink-Silikat-Primer + mehrlagiger MSH-Aufbau = > 320 µm

Ein Facharbeiter in Schutzkleidung und Atemmaske lackiert ein Metallbauteil in einer Lackierkabine grün.

Das Vorbehandeln mit Sandstrahlen

Ein häufiger Fehler in der Planung ist die Unterschätzung der Oberfläche. Keine Beschichtung hält ohne die richtige Basis. Wir bereiten das Substrat so vor, dass eine mechanische Verankerung der Schichten möglich ist. Ohne diesen Schritt erreichen selbst Hochleistungslacke oft nicht einmal die Klasse C3. Eine weitere Vorbehandlung, die wir anbieten, ist die chromfreie Passivierung.

Wann macht Nasslackieren Sinn?

Vorteil: Keine Größenbeschränkung, Reparaturfähigkeit vor Ort, höchste chemische Beständigkeit.

Einsatz: Schwere Stahlbauteile, Großanlagen, Offshore-Einsatz (C5-M/CX).

Limit: Längere Trocknungszeiten im Vergleich zum Pulver-Einbrennen.

Wann macht Pulverbeschichten Sinn?

Vorteil: Extrem schlag- und kratzfest, umweltfreundlich (lösungsmittelfrei).

Einsatz: Serienteile, Fassadenelemente, Fahrzeugbau bis Klasse C4 (mit Primer).

Limit: Maximale Bauteilgröße durch Ofenkapazität begrenzt.

Schutzdauer vs. Gewährleistung: Ein wichtiges Detail

Ein zentraler Punkt: Die ISO 12944 definiert die Schutzdauer (Low, Medium, High, Very High). Wichtig: Eine Schutzdauer „High (H)“ von über 15 Jahren ist keine Garantiezeit im rechtlichen Sinne, sondern eine technische Erwartung bis zur ersten partiellen Instandsetzung. Längle berät Sie hier transparent, um unrealistische Erwartungen und spätere Kostenfallen zu vermeiden.

Ihr Weg zum passenden Korrosionsschutz

Bitte beachten Sie, dass die oben genannten Werte und Schichtaufbauten als Orientierungswerte dienen. In der Praxis ist jedes Projekt ein Unikat. Faktoren wie die spezifische Materiallegierung, die mechanische Belastung vor Ort oder besondere mikroklimatische Bedingungen (z. B. stehende Feuchtigkeit oder chemische Dämpfe) können einen individuellen Schichtaufbau erfordern.

Eine Norm ersetzt keine Fachberatung: Wir analysieren Ihr konkretes Vorhaben im Detail, um die wirtschaftlichste und technisch sicherste Lösung für Sie zu definieren.

Wir beraten Sie gerne zum Thema Korrosionsschutzklassen!

Haben Sie ein konkretes Bauteil und benötigen die exakten Spezifikationen für eine Ausschreibung? Wir beraten Sie gerne!